Schon mal was vom „Obszönitätsprozess“ gehört? 1960 gab es da diese Empörungswelle in Großbritannien. Wenn ein Buch für so viel Aufsehen sorgt, dass ein Publikationsverbot droht, es zuweilen als aufrührerisch, skandalös, vulgär und unangemessen pornographisch gilt, dann kommt es wohl als Inspiration für einen melancholischen Indie-Rocker gerade recht.
Und das kam so: Nach einer überaus erfolgreichen Zeit mit der Rockband Balthazar beschließt Maarten Devoldere, alias Warhaus, es auch mal solo zu versuchen. „We Fucked A Flame Into Being“ lautet noch im selben Jahr der Titel seines Debütalbums, den er dem berühmt berüchtigten Liebesroman „Lady Chatterly“ entnimmt. Sexuelle Koketterie und zwischenmenschliche Begegnungen sind die Themen, die er mit seiner musikalischen Kollegin wie Lebenspartnerin Sylvie Kreusch auf der Debüt-Platte festhält - und dann passiert es wie von selbst: Die verruchten, eindringlichen Noten des typischen Warhaus-Sounds sind geboren. Es folgen mit „Warhaus“ und „Ha Ha Heartbreak“ zwei weitere Alben, bis mit „Karaoke Moon“ das vierte und aktuellste Werk erscheint. Auch auf dieser Platte dominieren gedankliche und musikalische Verarbeitungsprozesse in Sachen Liebe, Schmerz und Begegnung, ohne mit Schwermut zu erdrücken.
Der Erfolg gibt ihm Recht: Das tiefe Timbre und die verruchten Schattierungen des belgischen Sängers flackern immer wieder zuverlässig in seinen Songs auf und irgendwie ertappt man sich bisweilen auch mal bei Vergleichen mit Nick Cave, Leonard Cohen oder Tom Waits. Warhaus-Fans dürfen sich in ruhigen Tönen, gut erzählten Geschichten und souligen Popklängen verlieren, während vor allem in den Songs des letzten Albums die große Qualität des belgischen Künstlers zum Tragen kommt. Übrigens: An Kreativität und Luft fehlt es dem Sänger und Gitarristen ganz sicher nicht! Auch seine Reise als Leadsänger von Balthazar geht erfolgreich weiter, vielleicht sogar beflügelt durch zwischenzeitliches Abtauchen in die eigene (musikalische) Gefühlswelt. Wir freuen uns auf seine erstaunliche Gelassenheit, auf mitreißende Geschichten, geschickte Perspektivwechsel und viel Gefühl auf dem Jenaer Theatervorplatz!